The Evolution of Government PR in Germany

The following post is available in English and German. 

Last year, the Museum introduced you to Swiss Julius Maggi (read more here), who, in 1886, was one of the first entrepreneurs in the German-speaking market that established an in-house public relations department. While Maggi was undoubtedly a pioneer in the private sector, the German field of public relations began to emerge in the public sector.

In 1848, when Germany was still a loose league of sovereign stats, King of Prussia Frederick William IV himself ordered the establishment of the first government press office, the “Ministerial-Zeitungsbüro” (English: ministerial newspaper office). The office’s official responsibilities were to monitor newspapers and journalists (for example through press clippings), register violations of German censorship laws and subsequently submit government-approved “corrections” to newspapers. Oppression, special taxes, imprisonment and fines were the means to control the press.

After the unification in 1871, the newly formed German Empire (“Deutsches Kaiserreich”) established another press department, which was under direct jurisdiction of the Ministry of Foreign Affairs. After censorship laws had been formally abolished, the department started publishing its own newspaper, the “Provinzial Correspondenz.” Its main purpose was to undermine the influence and reach of more liberal news sources, by providing smaller and medium-sized publishers with a free, government-approved information source. Otto Hamann, the department’s director, also favored single pro-government journalists and refused others vital information. At the end of his term in 1916, Hamann had managed to mold the German media landscape like no other, eventually leading to an unfounded optimism among the German people.

With the beginning of the First World War in 1914, the German government reintroduced censorship laws that had previously been abolished in 1871. An extensive catalogue dictated journalists what they could legally report on. This not only included purely military matters but also information about Germany’s infrastructure or food imports.

After WWI and during the Weimar Republic, the successor state of the German Empire, the media landscape experienced great relief. Public Relations had become a widely acknowledged and accepted tool for the private and public sector.

However, after roughly a decade, Adolf Hitler and the Nazi regime came to power and established a system of totalitarian control and coordination over all aspects of German society. The Reich Ministry of Public Enlightenment and Propaganda, headed by Joseph Goebbels, was responsible for enforcing Nazi ideology and penetrated every aspect of the German media landscape, effectively forming a government-controlled, institutionalized PR apparatus (Read about the etymology of “propaganda” here and the use thereof here). 

After the end of WWII and with the formation of the Federal Republic of Germany in 1949, the country’s political system has been radically reorganized. The Republic now operates after its constitutional document, known as the “Grundgesetz” (Basic Law). Among others, these laws guarantee human dignity, the separation of powers, the federal structure, and the rule of law (which are valid in perpetuity), but also the unconditional freedom and independence of the press.

The German Public Relations Council (“Deutscher Rat für Public Relations”), headed by Dr. Günter Bentele, and other regulatory bodies have agreed to numerous codes of conducts for public relations practitioners, such as the Code of Athens (1965) and the Code of Lisbon (1978). The Council also formulated its own guidelines --the “Deutscher Kommuninaktionsindex” (German communication index)-- where it emphasizes the importance of the Constitution’s article on the freedom of the press. In case of a violation, the Council has the right to rebuke certain individuals.

Germany’s extensive approach in regulating and guiding PR practitioners might be explained by its oppressive past, where government propaganda was often indistinguishable from real news. Nonetheless, the field of public relations has prospered since WWII. All major American PR firms --such as Edelman, Ketchum or Weber Shandwick—opened very successful German branches. In the eyes of the public, the PR profession has become an accepted and desirable career path. 

------

Letztes Jahr hat das Museum Ihnen bereits den Schweizer Julius Maggi vorgestellt (Hier finden Sie den Beitrag). Im Jahre 1886 war Maggi einer der ersten Privatleute im deutschsprachigen Raum, der für seine Firma eine eigene PR-Abteilung eingerichtet hat. Obwohl Maggi zweifelsohne ein Pionier im Privatsektor war, hat die Entwicklung der PR-Profession früher begonnen, und zwar im öffentlichen Sektor.

Im Jahr 1848, als Deutschland nur ein loser Staatenbund war, hat König von Preußen Friedrich Wilhelm IV höchstpersönlich die Einrichtung eines Presseamts veranlasst: Das Ministerial-Zeitungsbüro war geboren. Die Hauptaufgaben des Büros waren es Zeitungen und Journalisten zu überwachen, Verstöße gegen das geltende Zensurgesetz zu registrieren und anschließend „Berichtigungen“ von den jeweiligen Zeitungen drucken zu lassen. Unterdrückung, besondere Steuern, Gefängnis- oder Geldstrafen waren beliebte Mittel um die Presse zu kontrollieren.

Nach der deutschen Einigung 1871 wurde im Deutschen Kaiserreich ein zusätzliches, dem Auswärtigen Amt unterstelltes, Pressedezernat gegründet. Da nach der Reichsgründung die Zensur formell abgeschafft wurde, entschied man sich eine eigene Zeitung zu veröffentlichen: Die „Provinzial-Correspondenz“ (später „Neueste Mittheilungen“).  Ziel war es, die sich zunehmend liberalisierende Presselandschaft zu unterwandern und kleine bis mittelgroße Verlage mit einer kostenlosen und regierungsfreundlichen Nachrichtenquelle auszustatten. Otto Hamann, ab 1894 Leiter des Pressedezernats, bevorzugte bei der Informationsversorgung regierungsnahe Journalisten und speiste kritische Journalisten oft mit wenigen Sätzen ab. Reichskanzler Bernhard von Bülow und Hamann schafften es so einen fast unbegründeten Optimismus im deutschen Volk zu erzeugen.

Mit Beginn des ersten Weltkriegs führte die Regierung erstmals wieder die Zensurgesetze ein. Ein ausführlicher Katalog regelte fortan über welche Themen Journalisten noch straffrei berichten konnten. Außer rein militärische Sachverhalten, gehörten auch Verkehrsverbindungen und die Versorgungslage des deutschen Volkes zu den Verbotsthemen.

Nach Ende des ersten Weltkriegs und während der Weimarer Republik, der Nachfolgestaat des Kaiserreiches, hatte die staatliche Kontrolle der Medienlandschaft wieder deutlich nachgelassen. Öffentlichkeitsarbeit bzw. PR waren weit anerkannt und wurden sowohl im öffentlichen, als auch privaten Sektor eingesetzt.

Nach nur knapp einem Jahrzehnt änderte sich dies jedoch wieder. Als Adolf Hitler und die NSDAP an die Macht kamen, etablierten sie ein System der totalitären Kontrolle und Koordinierung über alle Aspekte der deutschen Gesellschaft (Gleichschaltung). Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, geleitet von Propagandaminister Joseph Goebbels, zeichnete sich für die Verbreitung des nationalsozialistischen Gedankenguts verantwortlich und durchdrang jeden Aspekt der deutschen Medienlandschaft. Das Ministerium entsprach praktisch einem regierungseigenem, institutionalisiertem PR-Apparat (Lese Sie über die Etymologie und Nutzen des Wortes „Propaganda“ hier und hier).

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949, wurde das politische System des Landes grundlegend neuorganisiert. Die Republik ist nun unter ihrem Grundgesetz organisiert. Neben anderen Rechten, garantiert dieses die menschliche Würde, die Gewaltenteilung und die föderale Struktur (Artikel sind nicht änderbar und gültig in Ewigkeit), aber auch die Unabhängigkeit und Freiheit der Presse.

Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR), geleitet von Dr. Günter Bentele, und andere Kontrollorgane haben einer Vielzahl an europäischen Kodizes zugestimmt, wie etwa der Code d’Athènes (1965) oder der Code de Lisbonne (1978). Der DRPR formulierte aber auch seine eigenen Richtlinien: Den Deutschen Kommunikationsindex. In einem der Artikel des Indexes wird ebenfalls die Wichtigkeit des deutschen Grundgesetzes, insbesondere der darin garantierten Pressefreiheit, betont. Im Falle eines Verstoßes gegen die Kodizes, kann der DRPR, als Organ der freiwilligen Selbstkontrolle, einzelne Akteure rügen.

Deutschlands vielzähligen Regulierungsansätze können sicherlich durch seine Vergangenheit erklärt werden, als Regierungspropaganda von echten Nachrichten oftmals nicht zu unterscheiden war. Nichtsdestotrotz floriert das Feld der Public Relations bis heute. Neben vielen erfolgreichen deutschen Firmen, haben sich auch die amerikanischen Industriegrößen – wie etwa Edelman, Ketchum oder Weber Shandwick- in Deutschland angesiedelt. In den Augen der Gesellschaft ist die PR Profession inzwischen zu einem akzeptierten und oft begehrenswertem Berufsweg geworden.